Dokumentationen:

     (Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit)

Tabellen:

 


Sanierungsmaßnahmen für radonbelastete Häuser:

a) Wenn das Radon aus dem Baumaterial stammt  (Quelle: [10])
b) Wenn das Radon aus dem Erdreich in das Haus eintritt (Quelle: [11])

zu a)   Radon aus dem Baumaterial

Das Baumaterial spielt als Radonquelle im Vergleich mit dem Erdreich bei radonbelasteten Häusern meist eine untergeordnete Rolle. Wird in Räumen oberhalb des Kellergeschosses eine erhöhte Radon-Konzentration gemessen, kann nur durch verstärkte und häufigere Lüftung Abhilfe geschaffen werden. Bei der Messung ist darauf zu achten, dass durch Abdichtung zum Keller der Zutritt von Radon aus dem Erdreich ausgeschlossen werden kann.

Dagegen besteht bereits beim Bau eines Hauses die Möglichkeit durch geeignete Auswahl der Baumaterialien auf die spätere Radon-Konzentration der Innenluft Einfluss zu nehmen.

Ein Hinweis zur Klassifizierung der Baumaterialien bezüglich der Freisetzung von Radon liefert der Radiumgehalt, da Radium die Vorstufe des Radons ist. Die folgende Tabelle gibt einen Einblick in den Radiumgehalt verschiedener Baustoffe, Bindemittel und Zusätze. Sie entstammt einer Dokumentation des deutschen Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) („Natürliche Radionuklide in Baumaterialien“ Juli 2005).

Zur Frage, ob ein bestimmtes Material aus strahlenbiologischer Sicht als Baumaterial eingesetzt werden sollte oder nicht, wird vielfach empfohlen, nur solche Baustoffe zu verwenden, deren so genannte Bewertungszahl B kleiner als 1 ist. Diese Bewertungszahl B wird nach der Leningrader Summenformel berechnet.

Material

Radium226 (Bq/kg)

Thorium232 (Bq/kg)

Kalium40 (Bq/kg)

Bewertungszahl B

Natürlicher Gips, Anhydrit

10

< 5

60

0.06

Diabas

16

8

170

0.11

Porenbeton

15

10

200

0.12

Kalksandstein

15

10

200

0.12

Granulit

10

6

360

0.13

Gips aus der Rauchgasentschwefelung

20

< 20

< 20

0.14

Kies, Sand, Kiessand

15

16

380

0.18

Basalt

26

29

270

0.24

Beton

30

23

450

0.26

Braunkohlenfilterasche

82

51

147

0.45

Ziegel , Klinker

50

52

700

0.48

Ton, Lehm

< 40

60

1000

0.55

Gneis

75

43

900

0.56

Tuff, Bims

100

100

1000

0.86

Granit

100

120

1000

0.94

Kupferschlacke

1500

48

520

4.35

      Tabelle: Radiumgehalt einiger Baustoffe, Bindemittel und Zusätze (Quelle: [11])

Kalksandstein gilt danach z. B. als ein unbedenklicher Baustoff, weil die strahlenbiologisch relevante Bewertungszahl gering ist. Die nach der Leningrader Summenformel ermittelte Bewertungszahl für Kalksandstein (B = 0,12) unterschreitet deutlich den von Experten empfohlenen Grenzwert von B < 1.

zu b)   Radon aus dem Erdreich

Die folgenden Empfehlungen stammen aus einer Dokumentation des deutschen Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit: „Radon, Merkblätter zur Senkung der Radonkonzentration in Wohnhäusern" (2004).

Die Europäische Kommission empfiehlt, die maximale Radonkonzentration in Innenräumen durch Maßnahmen an den Gebäuden auf Werte von 200 Bq/m3 für Neubauten zu begrenzen und langfristig für Altbauten auf Werte unter 400 Bq/m3 zu reduzieren. Die Strahlenschutzkommission hat in ihrer Stellungnahme vom 14. Juli 2004 eine statistische Signifikanz des zusätzlichen Lungenrisikos durch Radon ab150 Bq/m3 festgestellt. Es wird deshalb eine Reduzierung der Radonkonzentration in Innenräumen auf unter 100 Bq/m3 empfohlen.

Meßwert

Empfohlene bauliche Maßnamen

Beschreibung

unter 100 Bq/m3

keine

 

100-400 Bq/m3

einfache

Heimwerker – Maßnahmen
Versuchen Sie mit einfachen Maßnahmen die Radongaskonzentration weiter herabzusetzen

400-1.000 Bq/m3

mittlere

Begleitende Maßnahmen bei Instandsetzungen
Informieren Sie sich vor geplanten baulichen Maßnahmen (Renovierung, Instandsetzungen etc.) am Gebäude über Sanierungsmöglichkeiten. Planen Sie mittelfristig Sanierungen ein.

über 1.000 Bq/m3

aufwendige

Beauftragen Sie einen Fachmann mit der Ausarbeitung eines Sanierungsprojektes
Lassen Sie sich von Fachleuten beraten. Wohnräume mit Radongaskonzentrationen über 1.000 Bq/m3 sollten bald saniert werden.

 

Bautechnische Sanierungsmaßnahmen

Beseitigen von Undichtigkeiten
Abdichten von Eindringstellen mit geeigneten Dichtungsmassen.

Schwachstellen

  • Risse in Böden und Wänden
  • Fugen (Boden - Wand)
  • Rohrdurchführungen, Leitungskanäle und –rohre

Die Oberflächen sind sorgfältig zu präparieren. Risse und Öffnungen müssen erweitert werden, damit die Haftung des gasdichten Materials verbessert wird.
Die Verarbeitungshinweise der Dichtungsmaterialien genau befolgen.
Punktuelle Undichtigkeiten können von geübten Heimwerkern selber behoben werden.

Abdichten von Installationsschächten
Abdichten von Ausbreitungspfaden

Schwachstellen

  • Leitungsdurchführungen im Keller
  • Leitungsdurchführungen im Wohnraum
  • Kontrollöffnungen

Leitungsdurchführungen sorgfältig abdichten. Dichtungen an Kontrollöffnungen einbauen.
Installationsschächte (Heizung, Sanitär, Elektro) können dem Radon den Weg vom Keller in die bewohnten Räume erleichtern.
Punktuelle Undichtigkeiten können von geübten Heimwerkern selber behoben werden

Versiegeln von Undichtigkeiten
Flächenhafte Schwachstellen, Abdichten von Eindringstellen mit geeigneten Beschichtungsmaterialien.

Schwachstellen

  • Haarrisse in Kellerböden
  • Haarrisse in Kellerwänden

Der Untergrund sollte sauber und tragfähig sein. Feuchtigkeit beachten.
Beschichtung ist gemäß den produktspezifischen Anwendungsvorschriften auszuführen.
Flächenhafte Undichtigkeiten sollten von einem Fachmann behoben werden.

Natürliches Entlüften
Fenster öffnen im Keller

Durch Querlüften gelangt radonbelastete Luft schneller ins Freie. Da Radon im untersten Geschoss (Keller) ins Gebäude eintritt, ist in erster Linie der Keller zu lüften.
Für die Radonbelastung spielen die Druckverhältnisse im Haus eine wichtige Rolle. Die Menge des einströmenden Radons hängt stark von der Differenz zwischen Außen- und Innendruck ab.

Ein Unterdruck im Haus sollte vermieden werden!
Unterdruck entsteht durch:

  • geöffnete Fenster an der dem Wind abgekehrten Seite
  • Ventilatoren in Nassräumen (WC) und in Küchen (Ablufthauben)
  • thermische Auftriebe in Kaminen (offene Kamine, Öfen etc.)  


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Tabelle: Experimentelle Mittelwerte des Diffusionskoeffizienten D und der Diffusionslänge R des Radon-222 in Baustoffproben
Quelle: [6]

Natursteine:

Material

ungefähre Dicke (mm)

D (10-6 m2/s)

R (mm)

radondicht?

Sandstein

100

2.2

1000

nein

Bims

150

1.5

850

nein

Porphyr

150

0.05

150

nein

Wandbausteine, Bindemittel:

Material

ungefähre Dicke (mm)

D (10-6 m2/s)

R (mm)

radondicht?

Leichtbeton-Wandbaustein mit Naturbims

150

1.5

850

nein

Kalksandstein

150

0.34

400

nein

Schlackenstein

150

0.38

400

nein

Mauerziegel

150

0.35

400

nein

Baugips

100

2.35

1100

nein

Betone:

Material

ungefähre Dicke (mm)

D (10-6 m2/s)

R (mm)

radondicht?

Leichtbeton mit Blähton

150

1.3

800

nein

Normalbeton

150

0.007

60

nein

Polymerbeton

150

0.005

50

nein

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Tabelle: Experimentelle Mittelwerte des Diffusionskoeffizienten D und der Diffusionslänge R des Radon-222 in Abdichtmaterialien
Quelle [6]

Material

ungefähre Dicke (mm)

D (10-6 m2/s)

R (mm)

radondicht?

Putz (kunststoffhaltig)

40

0.7

650

nein

Ölfarbe

0.5

0.001

20

nein

Flüssigkunststoff

0.3

<=10-6

<= 0.7

nein

Kunststoffdispersion

1

<10-6

< 0.7

ja

Kunststofffarbe

0.2

0.08

200

nein

Synthetikharz

2

<10-6

< 0.7

ja

Bitumen

3

<10-6

< 0.7

ja

Bitumenschweißbahn

3.8

<10-6

< 0.7

ja

Polymer-Bitumenschweißbahn

5

<10-6

< 0.7

ja

Silikon-Kautschuk

3

<10-6

< 0.7

ja

Fugendichtmasse (Silikon)

3

<10-6

< 0.7

ja

Polyuethan-Beschichtung

5

<10-6

< 0.7

ja

Epoxidharz

3

<10-6

< 0.7

ja

Epoxidharz(wasserlöslich

3

<10-6

< 0.7

ja

Polyurethan-Versiegelung

1

<10-6

< 0.7

ja

Fugendichtstoff auf Kunststoffdispersion

2

<10-6

< 0.7

ja

Acrylharzhaltige Dichtschlämme

1

<10-6

< 0.7

ja

Kunststoff, glasfaserverstärkt

1.7

<10-6

< 0.7

ja

Kunststoffanstrich (Epoxidharz)

0.5

<10-6

< 0.7

ja

Gummidichtungsbahn (Butyl)

1.5

7.1 * 10-6

1.8

nein

PEHD-Dichtungsbahn

1.5

<10-6

< 0.7

ja

Kunststoff-Dickbeschichtung

3.5

<10-6

< 0.7

ja

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Tabelle: Bewertungskriterien für “Radon-Dichtheit”
Quelle [7]

Das Verhältnis der Dicke der Probe h zur Relaxationslänge R dient als Kriterium zur Einschätzung der “Radondichtheit” des Materials gemäß untenstehender Tabelle.

radondicht

h >= 3R

nahezu radondicht

3R > h >= 2R

stark radonhemmend

2R > h >= R

radonhemmend

R > h >= 0.5R

nicht radondicht

h <= 0.5R


R = (D/Lamda)-1/2


D = Diffusionskoeffizient (m2/s)
Lamda = Zerfallskonstante des Radons (1/s)

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